Pater Paulus Wörndl OCD
Der erste Pfarrer von St. Josef – ein Kreuzträger und Märtyrer
Gleich der erste Pfarrer unserer Pfarre St. Josef, Pater Paulus Wörndl (OCD) hat in besonderer Weise die Nachfolge Christi bis in den Tod hinein gelebt und so ein unvergessliches Zeugnis für unseren Glauben gegeben.
Insgesamt wirkte er 14 Jahre in unserer Pfarre. 1925 kam er als junger Karmelitenpater im Alter von 31 Jahren mit zwei Mitbrüdern, um hier die Pfarrseelsorge aufzubauen. Die Bauarbeiten für unsere Kirche hatten gerade begonnen. Als 1930 die Pfarre errichtet wurde, bestimmte ihn der Bischof auch zum ersten Pfarrer. Glaubt man den Berichten, so war er ein beliebter Pfarrer, der den Menschen nahe war. Die Jugendgruppen, v.a. - wie in der damaligen Zeit üblich - die Gruppen für die Jungen, florierten: Studenten, Pfadfinder usw. Sie überdauerten die sogenannte Gleichschaltung der Nationalsozialisten, die neben der Hitlerjugend (auch für die Jungen) keine anderen Organisationen duldeten. Bereits ein Jahr nach dem Anschluß Österreichs im März 1938 mußte er fort. Seine letzte Messe in unserer Pfarrkirche muß bewegend gewesen sein. Am Vorabend seines Abschieds schreibt er mit sichtlich unruhigen Händen in die Pfarrchronik: „Und nun muß ich die Chronik schließen, denn die Stunde meines Abschieds hat geschlagen. Ich muß fort auf Verlangen der Partei, weil ich zuviel mit dem Volke und vor allem mit der Jugend verbunden bin. Ich freue mich, daß ich das Opfer bringen darf zur Sühne für meine Sünden und für meine liebe Pfarrgemeinde. Nun bin ich eingereiht in die Reihe der Kreuzträger.“ Diese Worte mögen in unseren Ohren heute befremdlich klingen. Nach 14 Jahren aus politischen Gründen von seinem kirchlichen Dienst mit den Menschen lassen zu müssen, muß sehr schmerzlich gewesen sein. Aus einem tiefen katholischen Glauben heraus kann er diesem sinnlosen Akt einen Sinn abgewinnen. Wie auch Jesus am Kreuz für die Menschen gestorben ist, hofft er, diese ungerechte Maßnahme als Opfer für die Menschen der Pfarre und als Sühne für seine eigenen Fehler, die ja jeder Mensch hat, einzusetzen. Er empfiehlt sich vertrauensvoll der Mutter Gottes an: „Dein im Leben, dein im Tod.“ Ahnt er schon, wie sein Leben später enden wird? Er muß nach Linz in die dortige Ordensniederlassung der Karmeliten und wird dort zur Aushilfe in der Seelsorge eingesetzt. Eine schwere Zeit für ihn. Brieflich hält er Kontakt nach St. Pölten und v.a. mit einigen jungen Männern, die sich über Europa und Afrika zerstreut im Krieg befinden. Er möchte ihnen auf diese Weise religiösen Beistand geben und sie zum Glauben ermuntern.
Nach eineinhalb Jahren im Hintergrund wird ihm wieder eine Pfarre übertragen, St. Martin. Doch nach nur einem Jahr ist er auch den Linzer Parteigängern ein Dorn im Auge. Am 3. Juli 1943 erscheint die Gestapo an der Klosterpforte und nimmt ihn mit. Auslöser ist ein abgefangener Brief eines St. Pöltener Pfarrkindes, der in Norwegen (wohl ohne Wissen von Pater Paulus) eine Widerstandsgruppe gegründet hat. Nun beginnt ca. ein ganzes Jahr Martyrium mit Folterungen, Essensentzug, Verhören usw., zunächst im Gefängnis in Linz, dann in Berlin. Am 18.4.1944 wird er vor dem Volksgerichtshof in Berlin zum Tod verurteilt. Obwohl er seine Unschuld beteuert, wird ihm alles als politisches Widerstandshandeln ausgelegt und weitere fadenscheinige Anschuldigungen erhoben. In dieser Leidenszeit gewinnt er Trost in seinem christlichen Glauben. Wie Christus am Kreuz kann auch er sich ganz dem göttlichen Willen unterwerfen und hofft, daß sein Tod, in den Augen der Nazis zwar ehrlos, aber vor Gott doch nicht sinnlos ist: „Ich habe mein Leben vollständig dem Heilande zur Verfügung gestellt, zur Sühne für meine Sünden, für meine Heimat und zur Vereinigung der Kirchen.“ Am 26.6.1944 wurde Pater Paulus enthauptet und sein Leichnam verbrannt.
Petra Ritter-Müller